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Bombe in Frankfurt - Studio wird evakuiert - Mac-TV.de
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  #1  
Alt 02.09.2017, 18:40
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 7.880
Bombe in Frankfurt - Studio wird evakuiert

Unweit unseres famosen Studios wurde vor ein paar Tagen eine riesige Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Um die Bombe zu entschärfen, muss der gesamte Bezirk evakuiert werden.

Betroffen sind ca. 65.000 Menschen, 20 Altenheime und 2 Krankenhäuser.

Wenn die Entschärfung misslänge und die Bombe explodierte, würden alle Häuser im Umkreis von 100 Metern zerstört. Sie würden von der riesigen Druckwelle fortgerissen. Innerhalb von 1 Kilometer flögen die Dächer von den Häusern. Im weiteren Umkreis bis 2 km würden Türen aus den Angeln gefetzt und Fensterscheiben zerborsten.

Unser Studio liegt ca. 1 km von der Bombe entfernt, also könnte es passieren, dass das Dach wegfliegt. Erschütterungen im Boden könnten weitere Schäden am Mauerwerk verursachen, die das Haus erstmal unbewohnbar machen könnten.

———

Ist es nicht unfassbar, welchen Schaden eine einzige Bombe anrichten kann? Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Umkreis von nur 1,5 km immerhin 65.000 Menschen leben können? Dabei handelt es sich um einen ganz gewöhnlichen Wohnbezirk, ohne Wolkenkratzer.

Bomben dieser Art wurden im Zweiten Weltkrieg flächendeckend über Deutschlands Städten abgeworfen, zu hunderttausenden. Die Aufgabe dieser speziellen Bombe bestand tatsächlich darin, mit einer enormen Druckwelle die Dächer fortzureißen, sodass im zweiten Schritt Brandbomben die nun schutzlosen Häuser zerstören konnten. Ganze Stadtteile, und mit ihnen die Menschen, wurden so vernichtet.

In diesen Tagen ist mein kleiner Stadtteil in Aufruhr, weil wir uns alle überlegen müssen, was wir von 6 Uhr bis 20 Uhr irgendwo in der Innenstadt anfangen sollen. Vielleicht erstmal irgendwo frühstücken, aber was macht man danach?

Unsere Großeltern hatten hingegen Todesangst, und die Angriffe kamen nicht mit einer freundlichen Ankündigung des Ordnungsamts, sondern nachts, wenn alle schliefen. Wer überlebte, fand sich in einer Trümmerwüste wieder. Millionen fanden den Tod.

Meine eigene Großmutter hat mir mal von einer Nacht im Keller erzählt, als die Bomben fielen und die Bewohner in völliger Dunkelheit horchten, wie die fürchterlichen Einschläge immer näher kamen und immer lauter wurden. Der Boden bebte.

Mich packt noch heute das blanke Entsetzen, wenn ich an diese Erzählung denke. Es gibt nichts Gemeineres als Krieg.

———

Was mir in diesen Tagen des Wahlkampfs aufgefallen ist: Die bereits abgetretene Garde der alten Politiker (ich meine die Generation von Helmut Kohl oder Willy Brandt) waren alle engagierte Europäer. Kein Wunder, mag man sich denken, denen saß der Schock des Krieges tief in den Knochen.

Aber in all den Jahrhunderten zuvor führten Kriege keineswegs zu einer Einsicht, sondern im Gegenteil, sie führten zu weiteren Feindschaften und Kriegen. Gerade auf den Zweiten Weltkrieg traf das zu, der ja seine Wurzeln auch im Ersten Weltkrieg hatte.

Dass wir in Europa in Frieden und Freiheit leben können, ist alles andere als selbstverständlich.

Wem verdanken wir das?

Man könnte denken, dass wir es der Generation von Adenauer, Brandt und Kohl verdanken, und das stimmt auch, denn sie schuf das Fundament. Aber heutzutage verdanken wir es vor allem uns selbst. Wir Europäer leben in Frieden, weil wir friedlich sind. Wir sind, alles in allem, eine ziemlich tolle Generation.

Bei allem, was wir falsch machen, machen wir dieses immerhin richtig.

Und das werde ich morgen feiern, wenn ich um 6 Uhr aus dem Haus geworfen werde. Ich werde Andenken halten an jene, die durch solch entsetzliche Bomben ums Leben kamen. Aber ich werde mich auch freuen über mich selbst und meine Nachbarn, weil wir, alles in allem, eigentlich ganz vernünftige Leute sind. Natürlich gönnt niemand dem anderen das Schwarze unter den Fingernägeln, aber wir leben friedlich und freundlich miteinander. Immerhin.

Hoffentlich geht alles gut.

Geändert von Jörn (02.09.2017 um 18:52 Uhr).
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  #2  
Alt 02.09.2017, 18:49
OpDraht
 
Beiträge: n/a
Hier wohl ein Bild von der zur Entschärfung vorbereiteten Fundstelle:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/bo...ke-151795.html

Edit, eigener Artikel zum Aufwand:
http://spiegel.de/panorama/a-1165824.html

Geändert von OpDraht (02.09.2017 um 19:18 Uhr).
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  #3  
Alt 02.09.2017, 23:48
QWallyTy QWallyTy ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Ort: tiefstes Sauerland
Beiträge: 17.580
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Nabend,

ja das ist schon wirklich extrem.

Heute Mittag sagten sie im Radio das sei die größte Entschärfung / Evakuierungsmaßnahme seit dem Weltkrieg.

Man will sich gar nicht vorstellen wenn das Teil irgendwann einfach mal durch Erschütterungen (Bauarbeiten, Verkehr, …) oder einfach Korrosion explodiert wäre - in einer Friedenszeit wo niemand mit sowas rechnet hätte das sicher viele Tote und Schwerverletzte gegeben.

Hoffen wir mal das alles gut geht und das Frankfurt nett zu den "Kurzzeitobdachlosen" ist.

Wäre es ein normaler Wochentag könnte Jörn ja im Apple Store ausharren (da kriegt man sicher einen Tag rum) oder liegt der auch in der Gefahrenzone?
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QWallyTy
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  #4  
Alt 03.09.2017, 00:39
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 7.880
Die Apple-Stores in Frankfurt sind außerhalb der Gefahrenzone. Juhu!

Aber eben habe ich entdeckt, dass mein Lieblingskino geschlossen bleibt. Es liegt genau an der Grenze. Ich hatte eigentlich vor, ein paar Stunde dort totzuschlagen.

In ein paar Stunden geht's los.
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  #5  
Alt 03.09.2017, 09:38
OpDraht
 
Beiträge: n/a
Bei dem Bombenwetter rauf aufs Rad!
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  #6  
Alt 03.09.2017, 10:02
handy2703 handy2703 ist offline
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Ein Perfekter Tag um die Frankfurter Museumslandschaft zu erkunden.
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  #7  
Alt 08.09.2017, 07:38
Ruegge Ruegge ist offline
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tja gegenüber den Kriegszeiten haben wir heute wirklich Wohlstandsprobleme, dagegen ist selbst Hartz IV noch Gold, so schlimm das auch ist.

Ich kann nur hoffen das alle Politiker immer besonnen regieren und sich Gewalt niedrig halten lässt. Das Leben ist einfach zu kurz um nicht das Schönste daraus zu machen.

Manche wollen das schöne Leben erst nach dem Tod erleben, aber ob das klappt? Es hat noch niemand aus eigener Erfahrung davon berichtet, manche schreiben darüber und verführen so Menschen zu Taten die sie sonst nicht machen würden!

Lieber ein schönes Leben jetzt in Frieden leben und sehen wie wir anderen helfen können soweit es in unserer Macht steht damit möglichst Viele ein gutes Leben haben.
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  #8  
Alt 13.09.2017, 21:30
Matthias Matthias ist offline
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Jörn, willst du uns nicht vielleicht auch noch kurz erzählen, wie der Tag dann letztendlich für dich abgelaufen ist? Würde mich jetzt schon noch interessieren.
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  #9  
Alt 13.09.2017, 22:53
Jörn Jörn ist offline
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Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 7.880
Aaaalso, ich habe mit Freunden eine kleine Radtour ins Grüne unternommen, um die Zeit zu vertrödeln. Unser Weg durch die Stadt offenbarte keineswegs tumultartigen Flucht-Szenen mit überfüllten Straßen, sondern völlige Leere. Das war gegen 8 Uhr, also gegen Ende der Evakuierung, die zwischen 6 und 8 Uhr stattfinden sollte.

Wir haben dann per Twitter alle paar Minuten den aktuellen Stand abgerufen. Die Polizei hat kräftig getwittert und mit erstaunlicher Ruhe die immer gleichen Fragen beantwortet („Wie lange dauert es noch, Wahnsinn, die Frage ist mir gerade spontan eingefallen?!“).

Als die Bombe dann entschärft war, durften zuerst nur Krankentransporte rein, danach Fußgänger und Radfahrer. Wir radelten also nach Hause in eine autofreie Stadt. Das war einerseits schön, andererseits hatte es auch eine Endzeit-Atmosphäre.

Wir sind dann sofort zum Fundort der Bombe geradelt. Dort war jede Menge Polizei. Man sah die aufgewühlte Erde, wo zuvor die Bombe lag. Es stand ein Lastwagen am Rand des Geländes. Man sagte uns, dass dieser Lastwagen die Bombe aufgeladen hätte. Wenig später fuhr der Lastwagen mit Polizei-Eskorte (vorne ein Auto, hinten zwei Motorräder) davon. Ich habe diese Szene gefilmt. Die Bombe fuhr wenige Meter an mir vorbei. Schon gruselig.

Alles verlief sehr friedlich und geordnet. Nur ein paar Hanswurste mussten von der Polizei aus den Häusern geführt werden. Und zwar nicht, um deren Leben zu schützen, sondern um die notfalls eingesetzten Rettungskräfte nicht in gefährliche Situationen zu bringen. Deswegen war es den Leuten nicht selbst überlassen, ob sie den Bereich verlassen.

Ich fand die Arbeit der Poizei ziemlich gut und bürgernah. Allein dass man per Twitter jedes noch so winzige Detail mitbekam und auch alles fragen durfte, war sehr gut und irgendwie „demokratisch“ (also nicht von oben herab).

Die Bürger waren ebenfalls gut. Ohne großes Theater tat man, was eben getan werden musste. Die Museen boten freien Eintritt, Cafés öffneten etwas früher, Hotels arrangierten Sonderpreise.

Beeindruckend fand ich, dass 65.000 Menschen einfach so verschwinden können, ohne dass es anderswo auffällt. Wir waren einfach „weg“.
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  #10  
Alt 14.09.2017, 20:55
QWallyTy QWallyTy ist offline
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THX für den netten Beitrag
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QWallyTy
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