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  #1  
Alt 11.01.2021, 18:19
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 9.067
Der Trump Switch

Folgende Firmen haben "Dienste" gekündigt, welche in Zusammenhang mit der Stürmung des Capitols in Zusammenhang standen:

Reddit: Ein Forum namens "DonaldTrump" wurde entfernt, eine recht große und aktive Community, die zum Ziel hatte, die Trump-Politik zu propagieren.

Twitch: Video-Kanal von Trump wurde entfernt, weil die Rhetorik, die in diesen Videos angeschlagen wurde, offensichtlich in Zusammenhang standen mit den gewaltsamen Ausschreitungen.

Shopify: Zwei Online-Stores wurden entfernt, in denen Merchandising-Artikel zugunsten seiner Organisation und seiner Wahlkampf-Kampagne verkauft wurden. Die Begründung war, dass Shops, die zur Unterstützung von Gewalt oder Hass beitragen, per AGBs ausgeschlossen wären.

Twitter: Der persönliche Account von Donald wurde permanent stilgelegt. Die Begründung war, dass weitere Tweets ein Risiko für weitere Gewalttaten bedeuten würden.

Google: Hat die Parler-App aus dem Store entfernt, weil dort rechtsextreme Kriminalität entfaltet wurde.

Apple: Hat die Parler-App aus dem Store entfernt, weil dort rechtsextreme Kriminalität entfaltet wurde und auf Nachfrage kein plausibler Plan vorgelegt wurde, um gesetzwidrige Inhalte zu moderieren.

Youtube: Wird alle YouTube-Kanäle beobachten, in denen weiterhin behauptet wird, es hätte einen Wahlbetrug gegeben. Bei drei Verstößen innerhalb von 90 Tagen wird ein solcher Kanal gesperrt.

Facebook: Hat eine zweiwöchige Sperre von Trumps Account verfügt, bis die Amtsübergabe an Joe Biden abgeschlossen ist.

Instagram: Hat eine zweiwöchige Sperre von Trumps Account verfügt, bis die Amtsübergabe an Joe Biden abgeschlossen ist.

Snapchat: Hat Trumps Account deaktiviert, weil dort Hass verbreitet und Gewalttaten initiiert wurden.

TikTok: Deaktiviert Hashtags wie #stormthecapitol oder #patriotparty und entfernt entsprechende Videos. Begründung: Hasserfülltes Benehmen und Gewalt hätten keinen Platz auf TikTok.

Discord: Ein Foren-Server namens "The Donald" wurde gebannt, der von einem rechtsextremen Aktivisten betrieben wurde. Begründung: Auf diesem Server liefe hauptsächlich ein Forum, mit Gewalt vorbereitet und eine bewaffnete Erstürmung des Capitols geplant wurde.

Pinterest: Hat Hashtags gesperrt, mit denen unwahre Behauptungen verbreitet werden sollen, die das Potenzial haben, zu Gewalt zu führen, beispielsweise #StopTheSteal.

Stripe (Kreditkarten-Abrechnung): Wird keine Transaktionen mehr durchführen für die Trump-Kampagne, die auch nach dem Wahlkampf noch sehr aktiv Gelder gesammelt hatte.

Zusätzlich berichtet der CEO von Parler (die strittige App, die von Apple rausgeworfen wurde), dass Ihnen die eigenen Anwälte gekündigt hätten, außerdem alle weiteren Anbieter, mit dem die Firma organisiert wurde, etwa Email-Provider, SMS-Dienste und so weiter. Er sagt weiter, dass Anfragen an alternative Firmen erfolglos wären, weil diese sich weigern würden, mit ihnen zusammenzuarbeiten, oft mit dem Hinweis, dass wenn Google und Apple sich für einen Bann entschieden hätten, sie dieser Einschätzung folgen würden.

Ex-Gouverneur und "Terminator" Arnold Schwarzenegger (Republikaner) hat in einer Video-Botschaft die "Proud Boys" (eine jener schwer bewaffneten Neonazi-Gruppen in den USA) verglichen mit den Horden, die in der "Kristallnacht" durch die Straßen marodiert wären, um dort Schaufenster einzuschlagen und jüdische Läden zu zerstören. Er rief die republikanischen Wähler auf, jetzt, da Joe Biden nunmal gewählt sei, ihn von ganzen Herzen zu unterstützen und anzufeuern, damit er für alle Amerikaner das Beste erreichen könnte, anstatt jede Politik der demokratischen Partei durch Boykott usw. zu sabotieren.

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Ich möchte gerne zwei eigene Gedanken anfügen:

Erstens, in der Liste oben sehen wir die scharfe Antwort der USA an jene, die an den demokratischen Grundfesten des Landes rütteln. Denn ebenso wie die restliche Welt schockiert ist, ist auch die Bevölkerung der USA schockiert. Es geht vermutlich nicht um die eigentlichen politischen Inhalte, sondern darum, dass hier eine rote Linie überschritten wurde, die von niemanden überschritten werden darf. Das Capitol ist unantastbar.

Ich bin nicht sicher, ob der Schwarzenegger-Vergleich mit den Nazi-Horden vielleicht etwas zu weit geht, und ob der Verweis auf die "Kristallnacht" nicht etwas unglücklich ist. Aber bestimmte Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen, und Vergleiche hinken ja immer. Es zeigt aber, wie aufgebracht und entsetzt viele Menschen in den USA sind, sogar Republikaner wie Schwarzenegger. Was ich aber treffend finde: Es muss irgendwann einen Punkt geben, ab dem die allgemeine Öffentlichkeit einschreitet und sagt: "Bis hierhin und nicht weiter". Dazu hat die Öffentlichkeit nach meiner Ansicht auch die Pflicht, weil es das ist, was die "Kristallnacht" uns als Lehre hinterlassen hat. So verstehe ich Schwarzeneggers Vergleich, und so verstehe ich auch die Reaktion der vielen Firmen, die ich oben aufgelistet habe. Man kann anschließend nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Allerdings, genau aus dieser Motivation sind auch die Horden zum Capitol gestürmt. Die paar Interviews, die mit den Leuten im Capitol geführt wurden, zeigten große Besorgnis und Empörung darüber, dass die Demokratie betrogen und eine Wahl gestohlen wurde. Daran kann man sehen, wie perfide das Narrativ ist, das das Trump-Lager inszeniert hat.

Der Fehler, den die Trump-Anhänger jedoch machen: Es gibt auch bei berechtigter Sorge eine rote Linie, die man nicht überschreiten darf. Wer Sorge und Zweifel beim Wahlausgang hatte, dem standen der Weg zu den Gerichten und mehrfach wiederholte Auszählungen zur Verfügung, unter den Augen der Öffentlichkeit. Und hier enden dann die legitimen Möglichkeiten. Wer dennoch weiter geht, ist kriminell. Man kann das Faustrecht nicht damit legitimieren, dass man sich sicher sei, recht zu haben.



Zweitens, was geschieht nun? Nicht alle Trump-Anhänger sind rechtsextrem. Trump selbst ist es vermutlich, und es gibt Gruppen, die noch darüber hinaus gehen. Diese Leute trafen sich bei "Parler" und werden demnächst andere Orte finden. Alternative Dienste berichten von zehntausenden Neuregistrierungen pro Stunde.

In diesen neuen Silos sind die Teilnehmer dann weitgehend isoliert und radikalisieren sich gegenseitig. Es ist diese Isolation, die ich gefährlich finde. Kleinere solcher Silos hält eine Gesellschaft aus, wie man an der Neonazi-Szene in Deutschland sieht. Aber ich frage nich, ob hier nicht eine Dynamik ins Rollen kommt, die sich einfach aufgrund kurioser Umstände zu einer großen Bewegung hochschrauben kann. Beispielsweise, dass viele Menschen einfach aus Trotz und Empörung über die (falsche) Behauptung von Zensur usw. sich in eins dieser Silos bewegen. Dort werden sie dann so lange mit Unsinn gefüttert, bis sie tatsächlich glauben, dass eine völlig offene Wahl dennoch in riesigem Ausmaß manipuliert worden wäre.
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  #2  
Alt 11.01.2021, 18:30
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 9.067
Schockiert hat mich eine Szene aus "Fox News", mit der man gut nachvollziehen kann, wie die US-Bevölkerung angestachelt und aufgewiegelt wird.

Man sieht eine "Journalistin", die den CEO von "Parler" nicht etwa kritisch befragt und mit Widersprüchen konfrontiert. Es wird auch keine neutrale Distanz gewahrt. Gegenargumente werden nicht erwogen. Sondern die Dame feuert den Interview-Partner an, empört sich, und schlägt sich auf seine Seite. Ihre Äußerungen sind nicht sachlich, sondern stets emotional: "This is unbelievable!"

Schon in der Anmoderation stellt die Dame das Ergebnis fest, nämlich, dass es ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit sei ("blow against free speech"). Auch die Sprechweise, nämlich eher ein schrilles Brüllen, hat mich verblüfft.

Kein Wunder, dass die Bürger aufgebracht sind, nach dem sie jahrelang mit solchen "News" gefüttert wurden:

Hier die Szene:
https://video.foxnews.com/v/6221679825001#sp=show-clips
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  #3  
Alt 11.01.2021, 18:44
cordcam cordcam ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 13.04.2010
Beiträge: 2.679
Wir handeln gerade einen einen neuen Gesellschaftsvertrag aus. Lange Zeit wusste man nicht so recht, wie man auf die neuen Medien reagieren soll. Viel weiter ist man da immer noch nicht.

Aber so deutlich wie jetzt ist das Problem wohl noch nie erkannt bzw. akzeptiert worden.

Jetzt ist es wichtig, wie sich die Mehrheit der Gesellschaft dazu stellt.

Die Frau redet wohl das Wort dessen, der ihre Lippen bezahlt....
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  #4  
Alt 11.01.2021, 18:48
cordcam cordcam ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 13.04.2010
Beiträge: 2.679
Es gibt bei uns übrigens eine Rechtsnorm dafür. Artikel 20 Absatz 4, GG:

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Ein Deutscher CEO könnte sich also darauf berufen, wenn auf seiner Plattform jemand dazu anstachelt, unsere Ordnung zu beseitigen.
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  #5  
Alt 11.01.2021, 19:05
cordcam cordcam ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 13.04.2010
Beiträge: 2.679
Ein gutes Mittel gegen das Aufkommen solcher Strömungen ist übrigens eine Gesellschaft, die nicht am laufenden Band Verlierer produziert.

Warum akzeptieren wir es eigentlich, dass ein paar Multimillionäre 90 % des Kapitals besitzen und sich andere Menschen mit Hartz 4 begnügen müssen?
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  #6  
Alt 11.01.2021, 19:09
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 9.067
Wir schweifen hoffentlich nicht in ein anderes Thema ab?
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  #7  
Alt 12.01.2021, 09:16
woreich woreich ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 893
Zunächst mag man befriedigt über die "Stummschaltung" digitaler Kanäle zur kurzfristigen Vermeidung bestimmter irrer Auswüchse um Trump und seine Anhänger sein.
Ich fühle mich aber absolut unwohl bei dem Gedanken, beliebige Konzerne über derlei Dinge befinden zu lassen. Das sind gewinnorientierte Betriebe mit zunehmend monopolartigem Umfang, deren oberstes Ziel die Gewinnerzielung ist - nicht etwa die Durchsetzung demokratischer Prinzipien. Hat man unisono Angst um das eigene Geschäftsmodell? Wenn sich das alles etwas beruhigt hat, darf Trump oder sonstwer wieder hetzen bzw. Meinung kundtun? Oder der, der mehr Gewinn verspricht?

Hoffentlich diskutieren und bewerten die Parlamente diese Vorgänge ernsthaft und gründlich.
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  #8  
Alt 12.01.2021, 10:57
hopsing27 hopsing27 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 11.04.2011
Beiträge: 115
Angela Merkel sieht die Twittersperre von Trump kritisch. Gegen das Netz DG des Heiko Maas hatte sie dagegen nichts einzuwenden.
https://www.tagesschau.de/inland/mer...itter-103.html
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  #9  
Alt 12.01.2021, 11:18
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 9.067
Merkels Aussage verstehe ich noch nicht ganz. Sie müsste plausibel machen, dass ein Rauswurf bei Twitter gleichbedeutend ist mit einer Wegnahme der Meinungsfreiheit.

Mir persönlich ist Twitter völlig schnuppe, weil es dort zu viel Streit und seltsame Typen gibt. Ich habe aber nicht das Gefühl, ich hätte keine Meinungsfreiheit.

Ein weiterer Punkt, den ich nicht verstehe: Wenn der Mob nicht das Capitol gestürmt hätte, dann wären die Äußerungen von Trump nicht so stark geahndet worden. Es geht also nicht nur um das Äußern einer Meinung (dies kann man subjektiv bewerten), sondern um das, was daraufhin konkret geschah (dies kann man objektiv feststellen).

Immerhin hat Trump über 55.000 (!!) blödsinnige Tweets geschrieben, und er wurde vorzüglich behandelt. Zum Vergleich, ich bin in diesem Forum in 12 Jahren nicht auf 10.000 Postings gekommen. Das ist einfach nur enorm. Dann schlugen seine Anhänger die Büros einiger Demokraten in Stücke, und dann änderte sich die Lage. Was erwarten die Leute?
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  #10  
Alt 12.01.2021, 11:28
mkummer mkummer ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 2.024
Und: auf der einen Seite verlangen alle, dass FB und Co. gegen kriminelle Einträge vorgehen, andererseits wird, wenn sie es machen, vom Einschränken der Meinungsfreiheit gesprochen. Wer soll es denn sonst machen als die Betreiber? Nach Gesetzeslage müssen sie es sogar. Und ob nachgewiesene Falschaussagen (vulgo: Lügen) erlaubt sein sollten, weil sie Meinungsäusserungen sind, halte ich für nicht unbedingt haltbar.
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