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Thema: Guter Sound
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Alt 18.12.2019, 05:53
Jörn Jörn ist gerade online
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.483
Guter Sound

Neulich wurde ich gebeten, einen Text für einen Podcast zu sprechen und aufzunehmen. Das ist technisch gar nicht so trivial, denn die Aufnahme darf keinen Hall enthalten, soll natürlich klingen und möglichst rauschfrei sein.

Zwar kann ich auf unser Studio zurückgreifen. Aber das ist eine mörderische Anlage, und in der Regie sind die vielen Lüfter für die Geräte sehr deutlich zu hören, also müsste ich dauernd zwischen Regie und Studio hin und her laufen. Ich suchte etwas, das einfacher und schneller war.

So nahm ich mein iPhone 11 Pro und ein paar alte Kabel-EarPods, bei denen einem das Mikro mehr oder weniger vor dem Mund baumelt. Als Rekorder probierte ich die Sprachaufnahme-App von Apple. Und als "Studio" warf ich mir einfach ein dickes Bade-Handtuch über den Kopf, um den Hall abzufangen.

Schnell auf "Aufnahme" gedrückt, und los! Seit iOS 13 kann man auch verpatzte Stellen erneut aufnehmen, d.h. man spult einfach zurück und setzt dann neu ein. Den Text habe ich von der Notiz-App abgelesen, die gleichzeitig laufen kann.

Mit Final Cut habe ich den Sound anschließend etwas frisiert, um den gewohnten druckvollen Radio-Sprecher-Klang zu erhalten.

Was soll ich sagen? Die Herausgeber des Podcasts haben mich anschließend gefragt, ob ich wohl schon Erfahrung mit Audio-Verarbeitung hätte? Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass sie sagen: "Puh, da hatten wir ganz schön viel Arbeit, bis die Scheiße sendefähig war". Aber ganz im Gegenteil, es war durchweg brauchbar.

Was lehrt uns dieses Gleichnis?

Manchmal sind es Details, die Apple-Produkte teurer machen, ohne dass uns die Gründe offensichtlich wären. Da ist das Mikro für die EarPods einen Tick besser als man es für die Telefonie-Funktion bräuchte. Da ist der Analog-Digital-Wandler beim iPhone einen Tick besser als bei Android-Modellen. Da hat sich jemand bei einer simplen Diktier-App etwas Mühe mit einer perfekten Aussteuerung der Lautstärke gegeben, sodass der Klang nicht verzerrt und der Rauschabstand möglichst groß wird. Applaus bekommt der Programmierer dafür nicht. Am Ende sieht der Anwender in der App nur einen einzigen großen Aufnahme-Button, und denkt sich: Ist das blöd.

Aber wenn mal alles zusammenspielt, dann bekommt man erstaunlich gute Ergebnisse, obwohl man eigentlich viel besseres und teureres Equipment bräuchte. Dieses teure Equipment hat natürlich weiterhin seine Berechtigung, denn ein gutes Mikro hört man auch. Aber für eine gelegentliche Aufnahme, die nichts kosten soll, und bei der man sich trotzdem nicht blamieren will, ist es grandios, wenn die einfachen Lösungen bereits eine gewisse Qualität haben.

PS: Welcher Podcast das war, ist geheim!
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