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Mac-TV.de - Einzelnen Beitrag anzeigen - Server-Umzug, mein Tagebuch
Einzelnen Beitrag anzeigen
  #44  
Alt 15.01.2020, 21:40
Jörn Jörn ist gerade online
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.262
Heute war ein richtig schöner, freundlicher Scheißtag.

Aufgrund der Erfolge des gestrigen Tages war ich so hibbelig, dass ich erst gegen 3 Uhr nachts einschlafen konnte. Ich habe mich so gefreut, dass ich doch recht weit gekommen war. Denn noch vor einigen Tagen sah es sehr düster aus.

Naja, dann schlafe ich halt etwas länger und mache mich dann gut gelaunt an die restliche Arbeit.

Von wegen!

Irgendeine Kreatur aus dem Nachbarhaus, dessen Name ich noch ausforschen werde, hat um Punkt 6 Uhr begonnen, mit einer Schlagbohrmaschine die Wände aufzubrechen. Das ganze Haus hat gewackelt!

Egal. Dann sitze ich eben mit etwas weniger Schlaf am Schreibtisch.

Nicht, dass ich dann schlecht gelaunt wäre.

Ich? Schlecht gelaunt? Was heißt hier schlecht gelaunt? Man wird ja wohl noch seinen wohlverdienten Schlaf haben dürfen? Oder ist das etwa zu viel verlangt!

Also habe ich mich auf dem neuen Server eingeloggt. Am Anfang wurde mir vom System gemeldet: 2.543 Login-Versuche. Aha. Da wollen also Leute in mein System.

Vermutlich mein Nachbar.

Das ist alles Teil eines großen Komplotts!

Aber mir ist das egal. Ich bin trotzdem gut gelaunt.

Denn ich bin immer gut gelaunt.

Also dachte ich mir, dann konfigurierst Du heute als lustige Spaß-Aufgabe die Firewall, dann geht's Dir besser, und danach machst Du die schwierigen Aufgaben.

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Und genau so war's.

Ich habe alles schön programmiert und konfiguriert, und es war schöner als es je zuvor war. Die neue Firewall war ein Kind vollkommener Schönheit. Ich war richtig stolz. Man konnte sogar sehen, wie die Spitzbuben aus dem Internet links und rechts hinausflogen! Tja, mein neuer Server ist eben gut konfiguriert.

Muss man können!

Und ohne Schlaf!

Während man mit dem Presslufthammer auf mich einhämmert!

Soll mal einer nachmachen.

Zum Schluß, weil während der Aufbau-Phase manche Dinge noch nicht ganz endgültig sind, habe ich kurzerhand alle Zugriffe gesperrt, die nicht meine IP-Nummer haben. Dann komme nur ich alleine ins System.

Fall erledigt. Ich bin drin, alle anderen sind draußen.

Tja, Herrschaften, so wird's gemacht! Ich bin richtig gut.

Nur bin ich halt, als ich gerade auf die Enter-Taste gedrückt habe, irgendwie schief auf die Taste gekommen. Dadurch habe ich die Taste 3 zusätzlich erwischt. Die IP-Nummer wurde dadurch um eine "3" verlängert, und dann Enter.

Und schon war ich draußen.

Das Terminal machte "Biep" und beendete die Sitzung. Mein Datei-Browser schloß das Fenster. Safari meldete: "Keine Verbindung".

Ich habe mich selbst ausgesperrt. Und da ich der Administrator bin, kann mich auch niemand sonst wieder ins System bringen. Höchstens mit einem Presslufthammer.

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Ich habe dann eine Weile damit zugebracht, in mein eigenes, von mir persönlich fachmännisch abgesichertes System einzubrechen.

Das ist eine erniedrigende Situation. Denn wenn man leicht wieder reinkommt, steht man irgendwie als Stümper da. Und wenn die Firewall hält, als Idiot.

Es gibt eine ganz bestimmte Gemütsverfassung, die man nur erhält, wenn man wenig Schlaf hatte, ein Presslufthammer das Nachbarhaus zerstört, und man versucht, irgendwo einzubrechen.

Es ist eine Art destruktive Energie. Es hat etwas Satanisches.

Man bekommt schmale Lippen und die Augen werden zu dünnen Schlitzen.

Jedenfalls, man kann das System von einer Rettungspartition booten, und mit etwas UNIX kommt man dann an die Daten heran. Es war dennoch eine schwierige Operation, die mich einige Stunden gekostet hat. Normalerweise stehen die Firewall-Regeln in einer ganz bestimmten Datei, aber die hat nicht existiert. Aber irgendwann hatte ich genügend Steinchen aus dem Mosaik gelöst, dass die Firewall gar nicht mehr starten konnte. Dann konnte ich booten und von dort wieder alles restaurieren.

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Puh! Dumm gelaufen, aber letztlich hatte ich das Problem lösen können.

Zu meiner freudigen Erquickung wollte ich mir ansehen, wie wunderbar meine neuen Websites liefen. Das sehe ich mir gerne an. Das motiviert mich. Die Geschwindigkeit des neuen Servers macht Spaß.

Aber anstelle der Webseiten sah ich nur: "INTERNAL SERVER ERROR 500".

Was zur Hölle?

Alle Webseiten lieferten nur Fehlermeldungen. Warum? Hatte es etwas mit der Firewall zu tun? Etwas anderes hatte ich heute ja nicht gemacht. Also Firewall ausschalten.

Error.

Einschalten.

Error.

Komplett vom System löschen.

Error.

Neu installieren und einrichten.

Error.

Bei Google eingeben: "Error".

Error.

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Tja. Das waren dann die nächsten Stunden.

Alle möglichen Log-Dateien und Systemberichte wurden von meinen müden Augen durchforstet, ob es vielleicht einen winzigen Hinweis gab.

Irgendwann bin ich dann auf einen Hinweis gestoßen, dass eine Datei fehlen würde, in der die ID-Nummer eines UNIX-Prozesses gespeichert wäre. Ich habe nachgeschaut, ob die Datei wirklich fehlt. Aber sie war da. Hm.

Dann habe ich sie gelöscht.

Was heißt gelöscht — mit dem Presslufthammer habe ich sie gesprengt!

Dann schnell den Webserver und den Lasso-Server gestoppt und neu gestartet, tief Luft geholt — und — und — nochmal tief Luft geholt — und — so schnell ist der neue Server auch wieder nicht — und es lief!

Juhuu!

Ich habe fast ein bisschen geweint. Ist das schön!

Und so endet heute mein Arbeitstag. Ich habe böse Drachen bezwungen und Satan ein Schnippchen geschlagen.

Viel weiter gekommen mit meinen vielen Aufgaben bin ich nicht. Aber so ist das nunmal. Mal gewinnt man, mal verliert man.
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