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[Langer Text] Endlich umgestiegen auf Catalina: Verdammt, ist das schnell! - Mac-TV.de
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  #1  
Alt 03.04.2020, 21:00
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.481
[Langer Text] Endlich umgestiegen auf Catalina: Verdammt, ist das schnell!

Hier sind meine Erfahrungen beim Umstieg auf Catalina, speziell aus dem Blickwinkel einer halbwegs professionellen Nutzung (hier: Videoschnitt).

Mein Mac Pro 2013 wird eigentlich nur für Videoschnitt benutzt, alles andere mache ich woanders. Der Sinn dieser Aufteilung ist, dass alle "Experimente" oder obskure App-Installationen woanders stattfinden, sodass die Mac-TV-Sendung nie gefährdet ist. (Obwohl sich diese Aufteilung als unnötig herausgestellt hat.)

Deswegen gab es für den Mac Pro nie ein OS-Update und nie ein Update für Final Cut Pro. Das hatte auch damit zu tun, dass mit den Updates wichtige Funktionen weggefallen wären, die ich für meinen Workflow benötige.

So blieb ich auf macOS "El Capitan", also Version 11. Catalina ist Version 15. Es ist daher ein Sprung um vier Generationen nach vorne.


Warum bin ich umgestiegen?

Irgendwann wurde der Druck zu groß. Keynote glänzte in den neuen Versionen mit tollen Funktionen, die ich gerne genutzt hätte. Die alte Safari-Version wurde mehr und mehr inkompatibel mit zahlreichen Webseiten. Alles rund um iCloud musste ich auf dem iPad machen. Wenn ich eine Keynote-Präsentation auf dem Mac Pro erstellt hatte, sie aber auf dem MacBook Pro vorführen wollte, musste ich genau aufpassen, nichts zu ändern. Denn dann hätte der Mac Pro die Datei nicht mehr lesen können. Zudem konnte ich aktuelle Versionen meiner Brot-und-Butter-Software (z.B. BBEdit) nicht mehr laden. Irgendwann überwogen die Nachteile meines tapferen Ausharrens.


Was hat es gebracht?

Scheiße ist das schnell! Safari ist sehr viel flotter geworden, kaum zu glauben! Es fühlt sich an wie ein brandneuer Mac. Ich bin ein riesiger Fan des WebKit-Teams. Was diese Leute seit "El Capitan" geleistet haben, ist einfach nur irre.

Auch bestimmte Export-Vorgänge in Final Cut bzw. Compressor kommen mir deutlich beschleunigt vor. Man kann das nie pauschal sagen, weil es sehr auf das genaue Szenario ankommt. Aber ich hatte in meinen Tests schon öfters sehr deutliche Steigerungen bei der Geschwindigkeit festgestellt (mehr als doppelte Geschwindigkeit).

Gerade weil ein neuer Mac Pro so viel Geld kostet, sind solche (kostenlosen!) Fortschritte natürlich bares Geld wert.

Die vielen kleinen Helfer (Notiz-App, iMessage, Kalender, usw.) sind endlich auf aktuellem Stand. Allein schon wie schnell solche Apps starten...

Dann gibt es erhebliche Verbesserungen bei diversen "ewigen" Baustellen, etwa AirDrop. Solche Dinge müssen reibungslos funktionieren oder es nervt. Über diese Fortschritte freue ich mich sehr.

Was sind die Nachteile?

Erstens, schlampige Software.

Das hat nicht nur mit Catalina zu tun, sondern mit all der Apple-Software, die durch Catalina aktualisiert werden muss.

Ein Beispiel: Beim Export aus Final Cut wird in bestimmten Situationen der Dateiname verändert, sodass er mit einem Leerzeichen beginnt. Das ist kein "logischer" Programmfehler, sondern nur Schlamperei. Die Folge davon ist, dass meine automatische Weiterverarbeitung der Dateien per AppleScript scheitert. Das ist keine Kleinigkeit. Man kann nicht einfach die Dateinamen verändern.

Oder: Häufig wird ein Video mehrfach exportiert, in verschiedenen Auflösungen. Deswegen wird an den Dateinamen etwas angehängt, etwa: "MeinVideo - 1080p.mov". Entscheidend ist, dass der Zusatz vorhersagbar ist. Denn nur dann kann die Datei automatisch weiter verarbeitet werden: Die Version mit 1080p geht zu Youtube, die Version mit 480p geht zu Twitter. Mit einer speziellen Funktion kann der Anwender festlegen, was angehängt wird. Final Cut ignoriert dies jedoch und hängt einfach eine fortlaufende Nummer an, also "1", "2", "3", und so weiter. Dadurch wird die automatische Verarbeitung unmöglich. Dies ist kein "Bug", sondern Schlamperei, weil hier eine im Programm vorhandene Funktion ignoriert wird und man sich nicht weiter um dieses Detail gekümmert hat.

Zweitens: Berechtigungen.

Darüber wurde ja schon viel geschrieben und geklagt. Tatsächlich erscheinen sehr viele solcher Nachfragen, wenn man das System neu installiert hat. Das finde ich nachvollziehbar und nicht weiter schlimm.

Jedoch: In meinem Fall laufen viele wichtige Dinge nachts ab. Beispielsweise die Verarbeitung der Mac-TV-Videos. Wenn ich eine Winzigkeit am AppleScript ändere, dann bekomme ich alle Nachfragen erneut. Aber das kann auch eine Aktion betreffen, die im AppleScript erst nach ein paar Stunden auftritt (etwa der Upload nach stundenlangem Komprimieren des Videos), und dann bin ich längst im Bett. Dadurch wird es zum Glücksspiel, ob morgens alles fertig ist, oder ob ein blödes Dialogfenster auf meinen Klick wartet.

Es gibt eine Systemeinstellung, mit der man die Zugriffe einstellen kann. Manche dieser Einstellungen haben ein Plus-Symbol, um Programme oder Dateien in die Berechtigungsliste einzufügen, manche nicht. Der Grund für diesen Unterschied ist mir nicht ersichtlich. Ich denke schon, dass man damit zurecht kommen kann. Ich sehe auch die Notwendigkeit für viele dieser Maßnahmen. Aber man könnte den Kunden ja mal erläutern, was hier vor sich geht, und was man tun muss. Letztlich ist es ein weiteres Voodoo-Geheimwissen, vergleichbar mit dem Drücken von ALT-CTRL-P-R direkt nach dem Booten und ähnlichem Schwachsinn.

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Es hat von morgens 6 Uhr bis abends 24 Uhr gedauert, bis ich Catalina, Final Cut und Compressor so hingewurstelt hatte, dass ich damit meine üblichen Aufgaben erledigen konnte, teilweise mit Provisorien, die ich demnächst weiter untersuchen muss.

Viele Dinge sind alternativlos weggefallen, andere haben sich völlig geändert. Mein feiner Workflow muss daher nicht nur an ein paar Stellen geradegezogen werden, sondern er muss komplett neu ausgetüftelt werden.

Exporte aus Final Cut sind für mich unbenutzbar geworden. Das ist für eine Software, die letztlich in allen Funktionen diesem finalen Export zustrebt, eine erstaunliche Schlappe. Ich helfe mir also mit Compressor und fange dessen Bugs mit einem anschließend laufenden AppleScript auf. Wie viele Kunden haben das Wissen und die Nerven für solche Umwege?

Catalina funktioniert für mich eigentlich recht gut. Das Update für Final Cut gab's kostenlos, also habe ich keinen Grund, mich zu beschweren. Aber wenn jemand meinen Workflow zunichte macht, dann werde ich doch ein wenig schmallippig. Muss das wirklich sein?

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Für mich wirkt es so, als würden bei Apple ständig die Teams und Zuständigkeiten wechseln. Als würde ein neuer Programmierer beauftragt werden, den Export aus Final Cut neu zu programmieren, ohne dass dieser Programmierer wüsste, warum die alte Version ganz bestimmte Funktionen und Eigenschaften hatte.

Gute, gereifte Software hat mit viel mit Erfahrung zu tun. Erfahrung darüber, was die Kunden brauchen und welche Szenarien es geben kann, in denen sich die Software bewähren muss. Es hat etwas mit Kontinuität zu tun. Kontinuität schafft Zuverlässigkeit. Und Zuverlässigkeit schafft Vertrauen. Apple hat diese Kette teilweise gebrochen.

Ich habe außerdem den Eindruck, dass sich manche Teams am Tag der Veröffentlichung auflösen. Das Feedback der Kunden verhalt dann ungehört. Eventuell kommt nach zehn Jahren ein neues Team zusammen, um endlich eine bestimmte Funktion ganz neu zu gestalten, und dann beginnt das Drama von vorne. Manche Bereiche einer großen Software bleiben auf diese Weise stets in einem seltsamen 1.0-Zustand, so als wäre es ein angestückelter Fremdkörper. Es gibt große Sprünge anstelle einer steten Fortentwicklung, und das halte ich für falsch.

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Insgesamt bin ich froh, dass ich den Umstieg gemacht habe, den es gibt viele Vorteile. Andererseits, wenn ich jemand bezahlen müsste, der sich um die Trümmer meines tadellosen Workflows kümmert, dann wäre ich ganz schön angefressen. Es könnte sein, dass für private Kunden die Vorteile von Catalina überwiegen. Aber für professionelle Anwender könnten die Kosten, Mühen und Risiken überwiegen, während die neuen Funktionen kaum ins Gewicht fallen. Das gilt nicht für Catalina alleine, sondern für das Gesamtpaket (also mit den nötigen Updates für die Pro-Software).
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  #2  
Alt 03.04.2020, 22:22
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.481
Eine der neuen Funktionen, die mich am meisten begeistern: Stapel!

Teilweise ist mein Desktop übersät mit sehr vielen kleinen Dateien. Beispielsweise, wenn ich mit Keynote arbeite und mir einen Haufen kleiner Dateien zurechtlege. Jedoch deprimiert es mich, wenn mein Schreibtisch so übervoll ist mit Dateien. Das sieht nach Arbeit aus.

Mit der Stapel-Funktion bleibt alles automatisch aufgeräumt. Echt toll!
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  #3  
Alt 04.04.2020, 12:26
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.481
Sehr beeindruckend ist, wenn auf einem großen Display plötzlich das "Dynamische Hintergrundbild" auf eine andere Tageszeit wechselt. Ich habe das bisher nur auf meinen zwei Test-Laptops gesehen, aber auf einem großen Display ist natürlich viel dramatischer. Macht Spaß!
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  #4  
Alt 04.04.2020, 21:44
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.481
Aber Euch ist das anscheinend egal?
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  #5  
Alt 04.04.2020, 22:31
saxophonmusikant saxophonmusikant ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 817
Nicht egal, aber die netten Goodies täuschen und trösten über den ganzen, viel schlimmeren Rest, den Du oben ja auch benennst, eben nicht hinweg!? :o(
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"Donald schau, die Wunder werden nicht alle!" (Gustav Gans)
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  #6  
Alt 04.04.2020, 23:09
mkummer mkummer ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 1.799
Naja, es sind ja nicht nur Goodies, die ich bei Catalina gut finde. Ich muss zZt. einen Haufen Belege digital an meine Krankenkasse schicken, damit ich meine Auslagen erstattet bekomme. Früher ein relativ grosser Aufwand mit Scanner usw. Heute auf dem Desktop bei eingeschalteter Kamera-App auf dem iPhone mit rechter Maustaste klicken und "Von iPhone oder iPad importieren / Dokumente scannen“ auswählen und so viel Seiten wie benötigt scannen. Es genügt völlig, das iPhone auf das Dokument zu halten - der Rest geht automatisch. Hernach „Sichern“ auf dem iPhone klicken und per Auswahlbox auf dem Mac hinterlegen. Fertig. Sowas finde ich schon toll und es funktioniert zuverlässig.

Ist nur eines von vielen Hands Off Features. In meinem Workflow habe ich unter Catalina keine bemerkenswerten Glitches zu vermerken. Somit bin ich auch recht begeistert.
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  #7  
Alt 05.04.2020, 03:58
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.481
Diese Continuity/HandOff-Funktionen sind auch in iWork spektakulär.

Beispielsweise, um in Keynote (auf dem Mac) schnell eine Skizze per Stift und iPad einzufügen. Das geht einfach so, ohne umständliche Datei-Transfers. Das iPad leuchtet auf, man malt seine Skizze, tippt auf "Fertig" und -- BOOM! Schon ist es in Keynote.

In Catalina erscheint nach dieser erstaunlichen Wundertat zwar eine Fehlermeldung, dass der "Dateityp nicht unterstützt" würde, aber was soll's? Dieser kleine Bug ist vermutlich gesund, sonst dreht man ja völlig durch.
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  #8  
Alt 05.04.2020, 04:00
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.481
Catalina bringt wieder ein paar tolle neue Schriften ins System. Weil ich schon eine Weile dabei bin, und die Schriften immer brav auf neue Macs transferiert habe, hat sich eine stolze Sammlung zusammengefunden.

Gute Schriften kosten Geld. Insofern ist es natürlich toll, dass Apples kostenlose Software meine Schriftsammlung immer weiter vervollständigt.
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  #9  
Alt 05.04.2020, 10:03
mkummer mkummer ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 1.799
Erwähnenswert ist auch das endlich implementierte iCloud Folder Sharing was die Dropbox für mich im Wesentlichen überflüssig macht. Auch hier denkbar simples Handling.
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  #10  
Alt 06.04.2020, 17:58
QWallyTy QWallyTy ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Ort: tiefstes Sauerland
Beiträge: 17.940
QWallyTy eine Nachricht über AIM schicken
Moin,

ja das 10.15.4 endlich iCloud Freigaben kann ist schon sehr gut - nutze leider immer noch ein paar Dienste und Shared Folder durch die ich auf die Dropbox angewiesen bin. Und diese arbeitet auch "noch" zuverlässiger über Systemgrenzen hinweg als die Dropbox. Da bei der Dropbox aber sowohl das Preismodell als auch die Software langsam anfangen zu nerven wird wohl über kurz oder lang der Abschied ins Haus stehen.

Auch wenn man viel Kritik an 10.15.4 hört hier auf dem 2018er mini alles bestelns und es wurder mal wieder einer "meiner" gemeldeten Bugs gefixt (System vergisst benutzerdefinierte Shortcuts).

Kann also aktuell nicht meckern und den alten 32bit Zopf vermisse ich auch nur ein klein wenig (eyeTV 32bit hatte IMHO die schönere / bessere UI).

Nur Mischbetrieb aus Maus (MX Master 2 von Logitech) und dem Tragic Macpad 2 ist nicht immer ganz reibungslos (Maus kann immer mal wieder nicht scrollen).
__________________
QWallyTy
Mac mini 2018 / iPhone 11 / iPad Pro 2018 / AW 4 LTE / diverse Sonüsse
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