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Brüssel-Attentate: Wir müssen wieder mehr reden. - Seite 4 - Mac-TV.de
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  #31  
Alt 23.03.2016, 23:00
cordcam cordcam ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 13.04.2010
Beiträge: 2.525
Übrigens kann man bei uns im Westen eine klare Abstufung der Empörung gegenüber Terror erkennen, und man erkennt auch gut, dass es da keine regionale Abstufung gibt:

Am Allerschlimmsten:

- Wenn Islamisten Franzosen, Belgier, Spanier, Engländer oder Amerikaner christlichen Glaubens umbringen

Immer noch schlimm:

- Wenn Islamisten Juden in Israel umbringen

Schlimm, aber so ist das halt:

- Wenn Islamisten Muslime in Ankara, Istanbul umbringen

Kriegt man so grade noch mit einem Schulterzucken mit:

- Wenn Islamisten Muslime in Afrika oder dem nahen Osten umbringen

Wahrscheinlich sind sie ja selbst schuld:

- Wenn Nazis im Westen Muslime umbringen

Man muss sich ja schließlich zur Wehr setzen:

- Wenn Nazis Unterkünfte von Muslimen in Brand setzen

Irgendwie scheint unsere Empörung dem Terror gegenüber ziemlich religiös abgestuft zu sein...
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  #32  
Alt 23.03.2016, 23:05
cordcam cordcam ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 13.04.2010
Beiträge: 2.525
Das hat nicht immer mit Durchdrehen zu tun, Jörn. Manchmal nur mit Umdrehen.

Wie weiland Saddam Hussein, der mit westlicher Rückendeckung den Iran überfallen durfte, dabei seinen Staat ruinierte, um dann völlig verwirrt zu sein, dass man ihm das Umdrehen so übel nahm. Nur weil da dann Kuwait war.
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  #33  
Alt 23.03.2016, 23:11
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.488
Dieser Auflistung kann ich mich anschließen, wenn damit gemeint ist, dass wir weniger Mitgefühl zeigen, wenn die Katastrophe weit weg ist, und mehr Mitgefühl, wenn es um unsere direkten Nachbarn oder uns selbst geht.

In diesem Thread geht es darum, ein Tabu zu brechen. Nämlich das Tabu, über religiöse Dinge zu reden bzw. diese zu hinterfragen. Dadurch soll verhindert werden, dass radikale Gedanken sich ungebremst ausbreiten und steigern. Stattdessen sollte man mit den angeblichen religiösen "Autoritäten" genauso diskutieren, wie mit allen anderen.

Der islamistische Aberglauben gedeiht in einer Nische, die für uns unerreichbar ist. Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens, dass wir diese Nische nicht berühren. Dieser Konsens ist falsch und wir sollten eine andere Richtung einschlagen.

Anstatt Religion in einer unantastbaren Nische zu versenken, sollte die Debatte darüber ein Teil unserer Gesellschaft sein. Genauso wie wir über Kindergeld oder Vegetarier diskutieren, sollten wir auch über die Wahrscheinlichkeit diskutieren, dass 72 Jungfrauen im Himmel warten. Wir sollten in TV-Talkshows auch mal über den "Sinn des Lebens" und die Wahrscheinlichkeit einer jungfräulichen Geburt diskutieren und nicht nur über die nächste Renten-Erhöhung.

Religion muss wieder in Kontakt kommen mit dem Rest der Welt.

Geändert von Jörn (23.03.2016 um 23:28 Uhr).
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  #34  
Alt 23.03.2016, 23:20
LeeBelle LeeBelle ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 43
Diese Auflistung ist völliger Schwachsinn und basiert auf was genau? Bei allen Anschlägen sind Menschen unterschiedlichster Religion und Nation getötet worden. Darum geht es den Terroristen auch nicht. Das Mitgefühl hat keine Unterscheidung gemacht, vielleicht sprichst du ja von deiner Gefühlslage...
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  #35  
Alt 23.03.2016, 23:31
cordcam cordcam ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 13.04.2010
Beiträge: 2.525
Nur mal so als Gedankenanregendes Beispiel:

Wo waren denn vor einigen Tagen denn die ganzen türkischen Flaggen als Profilbilder?

Warum war denn keiner Istanbul?

Wie sah denn die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit auf den Bombenanschlag in der Keupstr. aus?

So:

http://youtu.be/PErgAM6PssA

Und so:

http://youtu.be/Q_fqUVFrWds
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  #36  
Alt 23.03.2016, 23:40
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.488
Cordcam, Deine Einwürfe über die unterschiedliche Anteilnahme sind interessant, haben jedoch nichts mit diesem Thread zu tun. Bitte eröffne einen eigenen Thread dafür. Danke!
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  #37  
Alt 23.03.2016, 23:45
Meta Meta ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 24.08.2010
Beiträge: 1.455
Vermischte Anmerkungen:

Islamisten wollen sogenannte Ungläubige töten, ja. Aber sie sind dabei nicht durch ihren Glauben völlig hirnlos und verblödet. Islamisten kalkulieren genau und präzise, durch welche Angriffsmethodik sie in welchen Umständen die stärkste Wirkung erzielen. Deshalb wählen sie oft Selbstmordattentate, denn die entfalten eine unheimlich starke psychologische Wirkung. Terroristen wollen also nicht einfach nur hirnlos irgendwen töten, sondern "vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten oder Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen. Terrorismus ist keine militärische Strategie, sondern primär eine Kommunikationsstrategie." (Zitat nach dem guten Wikipedia-Eintrag zum Terrorismus, dort zitiert nach Waldmann et al. Bei Wikipedia auch weitere Ausführungen unter "Ziele und terroristisches Kalkül".) Der "Erfolg" terroristischer Anschläge gibt ihnen Recht. Nur ihre spezifische, präzise kalkulierte Methodik macht sie so "erfolgreich".

Wissenschaftliche Aufklärung ist schön, aber sie wird leider von radikalen Muslimen dahingehend missverstanden werden, dass ihre Religion, das heißt sie selbst, vom Westen unterdrückt werden. Eine Dominanz in der Öffentlichkeit von Religionskritik und Anti-Religiösität wird deshalb leider den Islamisten in die Hände spielen, statt sie zu schwächen. Sie und potenzielle islamistische Rekruten werden sich dadurch nicht "bekehren" lassen und stattdessen nur mehr Munition für ihre Opfer-Rhetorik erhalten. Ich wünschte, es wäre anders.

Außerdem kommt Religion ja schon in den Kontakt mit der Welt. Zum Beispiel im Religionsunterricht an der Schule, in dem auch Religionskritik verpflichtender Bestandteil des Lehrplans ist.

Geändert von Meta (24.03.2016 um 00:13 Uhr).
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  #38  
Alt 23.03.2016, 23:48
cordcam cordcam ist offline
Erfahrener Benutzer
 
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Beiträge: 2.525
Wieso haben die nichts mit diesem Thread zu tun?

Der Zusammenhang ist doch klar:

- muslimische Jugendliche werden in westlichen Gesellschaften ausgegrenzt
- sie machen hier die Erfahrung, dass muslimische Terroropfer weniger Wert sind
- sie machen die Erfahrung, weniger Chancen in dieser Gesellschaft zu haben
- all das macht sie empfänglich für totalitäre Ideologien
- ...endlich auch einmal Macht haben....

Klar, es ist immer einfacher "Die Radikalen sind schuld" zu rufen. Um aber eine Lösung zu finden, muss man schon mal differenzierter auf das Problem schauen...

"Ohne die Verantwortung und Schuld dieser Terroristen ein Jota zu mindern, muss man die Rolle der Gesellschaft bei der Entstehung dieser Mörderbanden versuchen zu verstehen. Fast alle bisher identifizierten Terroristen waren Franzosen, geboren und aufgewachsen in Frankreich. Was genau macht eine Anzahl junger Muslime anfällig dafür, einen Massenmord, den eigenen Tod und die Verdammnis durch die Gesellschaft, in der sie aufgewachsen sind, für attraktiver oder sinnvoller zu halten als jede andere Alternative? Was sagt das über ebendiese Gesellschaft?"

Und ja, natürlich spielt radikale Religion hier eine Rolle, weil sie nämlich erst durch das Zurücklassen dieser jungen Männer ihre ersten Opfer findet, die später zu Tätern werden...

"Wenn man nämlich bei der Erklärung die Religion krampfhaft ausklammert, klammert man automatisch die Mitverantwortung der europäischen Gesellschaften an der Radikalisierung aus."

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/p...a-1063363.html
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  #39  
Alt 24.03.2016, 00:08
Jörn Jörn ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 05.01.2008
Beiträge: 8.488
Meta + cordcam, diese Erläuterungen bieten eine Erklärung dafür, warum Menschen unzufrieden werden und sich ev. auch radikalen Parteien oder sonstigen Demagogen anschließen.

Es bietet aber keine Erklärung dafür, warum sich die Leute selbst (!) in die Luft sprengen.

In Indien gibt es genau die von Euch genannten Probleme (Armut, Ausgrenzung durch das Kastenwesen, keine Aufstiegsmöglichkeiten), und trotzdem sprengen sich die Leute nicht in die Luft. Warum? Weil es dumm ist. Es macht nur Sinn, wenn man an 72 Jungfrauen im Paradies glaubt. Das ist der große Unterschied.

Nimm den Leuten die feste Überzeugung, dass der Koran Buchstabe für Buchstabe wahr ist, und die Leute werden aufhören, sich zu sprengen. Sie werden weiterhin gläubig sein (vielleicht), und sie werden weiterhin gegen Missstände protestieren, aber sie werden sich nicht selbst in die Luft sprengen.

Die Attentäter werden für dumm verkauft und angelogen. Diese Tatsache könnte unser Verbündeter sein. Wenn wir ihnen zeigen könnten, dass sie angelogen werden, dann könnten wir sie davon abhalten, ihr kostbares Leben wegzuwerfen. Dazu ist aber erforderlich, dass wir mit ihnen über ihre Religion sprechen, oder dass allgemein über verschiedene religiöse Ansichten diskutiert wird. Das macht dann alles etwas relativer und weicher und nicht mehr so grimmig-absolut.
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  #40  
Alt 24.03.2016, 00:29
Meta Meta ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 24.08.2010
Beiträge: 1.455
Interessanterweise gibt es auch Selbstmordangriffe ohne religiösen Hintergrund, zum Beispiel im 2. Weltkrieg durch Deutschland oder durch separatistische Terrorgruppen nach 1945. Wie passt das zusammen?

Im Übrigen habe ich in diesem Thread noch gar keine Gründe für das Entstehen des islamistischen Terrorismus genannt. Du hast mich offenbar missverstanden. Diesbezüglich verweise ich aber mal auf Post 99 im anderen Religions-Thread, wo ich in einer gewiss unvollständigen Liste 8 (!) Ursachen, darunter auch Religion, für das Entstehen des islamistischen Terrorismus aufgeführt habe.

Und deinen Lösungsvorschlag für das Terrorismus-Problem (nämlich Religionskritik) halte ich aus den in Post 37 genannten Gründen für nicht effektiv, auch wenn du ihn uns schon zum wiederholten Male präsentiert hast.
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