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2025: John Giannandrea


31.12.2025   John Giannandrea war sieben Jahre lang Apples Chef für »Maschinelles Lernen und KI-Strategie«, bis man ihn endlich rausgeschmissen hat.

Zuvor war er bei Google verantwortlich für den Bereich »Suche und KI«, also für den Kernbereich von Google, was sicherlich eine sehr bedeutende Position darstellte. Dass Tim Cook ihn zu Apple holen konnte, galt als großer Coup.



Verbessern sollte er erstens die damals schlechte Suchfunktion in fast allen Apple-Diensten, die der von Google weit unterlegen war. Durch maschinelles Lernen, also durch die Eingaben der Anwender selbst, sollte das System intelligenter werden.

Zweitens sollte Siri durch maschinelles Lernen vielseitiger und robuster werden. Maschinelles Lernen ist ein statistisches Verfahren, bei dem große Datenmengen auf Muster untersucht werden. Man kann es verwenden, um Sprache besser zu verstehen; aber auch, um ähnliche Formulierungen für den gleichen Sachverhalt zu erlauben. Beispielsweise könnte ein Siri-Befehl auf verschiedene Weise formuliert sein.



Heute ist man immerhin so weit, dass ein HomePod auf den Befehl »Spiele meine Songs von Oasis« antworten kann mit: »Gerne! Ich spiele Country-Songs aus den 50ern«. Das ist zwar nicht perfekt, aber manche Leute haben immer was zu nörgeln. Wir sollten uns alle mehr beschäftigen mit Country-Musik aus den 50ern.

Zugleich war John Giannandrea zuständig für Künstliche Intelligenz, was sich von maschinellem Lernen unterscheidet. Dies war damals ein experimenteller, auf eine weitere Zukunft gerichteter Bereich.

Obwohl Giannandrea tatsächlich Fortschritte bei maschinellem Lernen erreichen konnte, ist seine Bilanz nach sieben Jahren ein Desaster.

Siri

Siri ist zum Ende seiner Tätigkeit genauso schlecht wie zu Beginn. Es gab in all den Jahren nie einen signifikanten Sprung nach vorne. Hier und da wurden neue Fähigkeiten präsentiert, die meistens unzuverlässig (und oft gar nicht) funktionierten. Die Kritik der Anwender wurde in den letzten sieben Jahren nie leiser, sondern stets lauter.



Es war übrigens diese Kritik, die Giannandrea zu Apple brachte. Tim Cook erklärte Siri zur Chefsache und schuf einen neuen Posten, der ihm direkt unterstellt war. Nur wenige Abteilungen genießen dieses Privileg. An mangelnder Unterstützung ist es jedenfalls nicht gescheitert.

Siri funktioniert bei manchen Dingen gut (Wetter, Timer), aber manche Fehlfunktionen sind schwer zu erklären. Apple hat eine neue Einkaufsliste in der »Erinnerungen«-App eingeführt, die Produkte automatisch sortiert. Vermutlich basiert das auf einer Datenbank typischer Supermarktprodukte und maschinellem Lernen durch Nutzer-Eingaben. Trotzdem landen »Spaghetti« und manchmal sogar »Nudeln« nicht in der Rubrik »Nudeln«. (Manchmal aber schon.) Warum ist das so schwierig?



Jeder von uns kennt solche Merkwürdigkeiten. Wenn man Siri beauftragt: »Erinnere mich ans Blumen kaufen«, wird eingetragen: »Ans Blumen kaufen«. Eben habe ich versucht: »Erinnere mich daran, dass ich morgen Blumen kaufe«. Der Eintrag in der App lautet nun »Ich morgen Blumen kaufen«.

Übrigens führt das Wort »morgen« nicht dazu, dass die Erinnerung für den morgigen Tag eingetragen wird. Wer sich blind darauf verlässt, ist angeschmiert. Dafür hätte man nämlich sagen müssen: »Erinnere mich morgen daran, dass ich Blumen kaufe«. Das führt zu folgendem Eintrag: »Ich Blumen kaufe«, akkurat eingetragen für das morgige Datum.

Da haben wir also eine App, dessen ganzer Zweck darin besteht, zu einem bestimmten Datum an etwas zu erinnern. Aber die App hat Probleme mit den Wörtern »heute« und »morgen«.

Künstliche Intelligenz

Apple spielt bei Künstlicher Intelligenz keine Rolle. Das ist das unbestreitbare Ergebnis nach sieben Jahren Giannandrea.



Zwar gibt es einige Projekte (von denen Mac-TV so detailliert berichtet hat wie kaum ein anderer Kanal). Diese Projekte ändern aber nichts an Apples dramatischem Rückstand, sondern macht ihn für alle sichtbar. Gerade im Jahr 2025 ist Apple im Vergleich zu Google und OpenAI zurückgefallen wie ein Backstein. Der Abstand wurde nicht kleiner, sondern größer.

Zweifellos ist eine »private« KI als Idee nobel. Aber Apples »Private Cloud« ist schlecht. Man kann das nicht anders sagen.

Es lässt sich ganz einfach illustrieren: Welche von Apples eigenen Apps nutzen die »Private Cloud«? Mal abgesehen von einer systemweiten Rechtschreibkontrolle? Man muss nur Apples eigene Apps betrachten, um zu sehen, dass es keine Rolle spielt.



Auch Apples Strategie einer weitgehend lokalen KI funktioniert nicht. Warum? Weil derart winzige Modelle nicht das können, was die Anwender erwarten. Es ist nützlich als Hintergrundprozess, der Mails und Notifications sortiert. Aber das ist ein Nebenschauplatz. Es spielt keine Rolle.

Das müsste nicht so sein. Zum Vergleich: Amazon ist ebenfalls spät eingestiegen und zeigt nun beachtliche Ergebnisse; Elon Musk ist eingestiegen und zeigt beachtliche Ergebnisse; Anthropic hat sich von OpenAI abgespalten und zeigt beachtliche Ergebnisse; Google zeigt beachtliche Ergebnisse; OpenAI zeigt beachtliche Ergebnisse; chinesische Firmen zeigen beachtliche Ergebnisse.

Steve Jobs: »Real artists ship.«

2026

Eine der seltsamsten und zugleich aufregendsten Entdeckungen besteht darin, dass die KI-Modelle alle auf die gleiche Weise funktionieren. Die grundlegenden Prinzipien sind verblüffend simpel. Mit genügend Zeit und Geld kommt man offenbar relativ sicher zu brauchbaren Ergebnissen. Daraus müsste eigentlich folgen, dass Apple irgendwann ans Ziel kommt, wenn auch verspätet.



Wartet also im Jahr 2026 die große Überraschung auf uns? Die Berechnung eines großen Modells kann ein Jahr dauern. Und man wird ein paar Versionen benötigen, um sich nach vorne zu arbeiten. Währenddessen steht die Konkurrenz aber nicht still. Man muss wohl mit ein paar Jahren rechnen, bis Apple wieder vorne mitspielen kann.

Aber irgendwas wird Apple im Jahr 2026 schon veröffentlichen. Angeblich hat man sich erstmal Googles Gemini lizenziert, um damit Siri und die »Private Cloud« zu betreiben. Wenn es stimmt, sind es extrem gute Nachrichten.

Es ist gut, dass John Giannandrea seinen Platz räumt. Jetzt muss es jemand anderes versuchen.

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