14.01.2026
Apples Ankündigung des neuen »Creator Studio« schlug überall im Apple-Kosmos hohe Wellen. Basti hat dazu bereits eine Sendung für Sonntag vorbereitet, deswegen halte ich mich mit Details und Bewertungen zurück. Aber es gibt einen zusätzlichen Aspekt, auf den ich gerne aufmerksam machen möchte.
Was ist eigentlich wichtig?
In Zukunft ist KI wichtig. Aber wofür? Ebenso sind iPhones wichtig. Aber wofür? — Dieses »Wofür« braucht eine Antwort, und zwar eine, die nicht beschämend ist. Ich sag’s mal etwas überspitzt: Den ganzen Tag durch Instagram scrollen können auch Affen, abgesehen davon, dass es ihnen nach zehn Sekunden bereits zu langweilig ist.
Apple hat die Antwort gegeben. Ich finde, es ist ein Paukenschlag. Man muss sich nur die Apps ansehen. Man kann damit Videos erzeugen, anstatt sie nur zu konsumieren. Man kann Musik machen, als Profi oder als Laie, es ist für jeden was dabei. Man kann ein Poster gestalten. Man kann Briefe schreiben oder ein Buch. Wenn es ein Buch ist, bietet Apple einen Upload direkt in den iBook-Store, alles eingebaut in Pages. Oder man hält herzklopfend seine erste Präsentation und kann sie mit Keynote so professionell gestalten, dass am Ende jemand sagen wird: »Sagen Sie mal, wie haben Sie denn diese tolle Präsentation gemacht?«
Alle diese Apps sind umwerfend gestaltet, vor allem die Audio/Video-Apps. Sie sind bunt, spielerisch, einladend — und gleichzeitig professionell und leistungsstark. Ja, der KI gehört die Zukunft; aber kein Mensch möchte traurig vor einem Eingabefeld sitzen und der KI sagen, was sie tun soll. Sondern man möchte selber etwas tun. Etwas gestalten. Die Dinge wachsen sehen. Experimentieren. Sich entscheiden. Wieder verwerfen. Plötzlich eine gute Idee haben. Stolz auf sich sein.
Die Apps sagen nicht: »Drücke einfach diesen Knopf, denn für alles andere bist Du zu dumm!« Sondern sie respektieren die Kreativität und die Intelligenz des Anwenders.
Steve Jobs sagte auf einer Keynote, Apple sähe sich am Schnittpunkt von Technologie und den freien Künsten. Er meinte das iPad, aber auch die Apps entsprechen dieser Philosophie. Apple löst dieses Versprechen immer noch ein. Damit der Anwender atmen kann, müssen die User Interfaces aufgeräumt, durchschaubar und einladend sein, auch dann, wenn die Technik ungeheuer kompliziert ist. All das hat Apple heute in Erinnerung gerufen.
Es ist ein Jammer, dass diese Apps nur eine schnöde Pressemeldung erhalten, ohne auch nur eine einzige Sekunde auf einer Keynote gefeiert zu werden. Ich kann mich daran erinnern, wie GarageBand eingeführt wurde (mit John Mayer als Popstar, der die Instrumente spielte). Es dauerte 25 Minuten, und jede davon war großartig.
Nach meiner Ansicht sollte Apple regelmäßig vorführen, was man alles mit der ganzen Technologie anfangen kann. Es muss ja nicht immer so lang sein. Aber das Demo mit GarageBand ist 22 Jahre her, und ich kann mich bis heute daran erinnern, weil es so beeindruckend war. Seitdem habe ich nichts mehr davon gehört. Wie kann das sein?
Das sind Apples Kronjuwelen. Das ist, was Apple am besten kann. Warum wird nicht mehr darüber geredet? Ja, es stimmt, solche Software-Abos mag nicht jeder. Aber das sind fantastische Apps.
Alle reden über OpenAI. Auch ich. Aber OpenAI hat solche Apps nicht. Google auch nicht. Microsoft auch nicht. Adobe hat sie teilweise, aber ich empfehle einen Blick auf deren Preisliste; denn wer sie gesehen hat, wird nie wieder sagen, Apple sei teuer.
Bis Sonntag! :-)
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