Tim Ratlos und die RAM-Krise
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»This is a hundred-year flood. I’ve never seen anything like it in any area in over 40 years.«?— Tim Cook
Tim Cook bezeichnet die Situation bei RAM- und SSD-Chips als Jahrhundertflut; als ein katastrophales Ereignis, das unvorhersehbar und plötzlich hereinbricht. Ein Ereignis, das sich der eigenen Kontrolle entzieht und einem seine eigenen Gesetze aufzwingt.
Solche Worte aus dem Mund von Tim Cook sind bemerkenswert. Denn Kontrolle war in den letzten Jahrzehnten das Erfolgsrezept von Apple und speziell von Tim Cook. Indem Apple den asiatischen Produzenten eigenes Know-How, eigene Maschinen und eigenes Kapital zur Verfügung stellte, sicherte sich Apple stets die neueste Technologie. Apple kaufte nicht nur den Premium-Markt leer, sondern schuf ihn oft selbst, um dann für ein paar Jahre die komplette Produktion exklusiv zu erhalten. Diese Kombination aus technischem Know-How, Finanzkraft, langfristigen Verträgen und enormen Stückzahlen zwangen dem Markt ein Gesetz auf: Erst Apple, dann der Rest.
Das ist vorbei.
Es ist keineswegs ein kurzfristiges Malheur, eine Kuriosität, verursacht durch die Hatz um die irrste KI-Fabrik, bei der ebenso irre Milliardäre mit Milliarden um sich werfen, die nur auf dem Papier existieren. Sondern es ist ein fundamentaler Umbruch in der Industrie, der die Regeln dauerhaft ändern wird.
Steve Jobs hat in seiner letzten Keynote im Jahr 2011 einen solchen Umbruch erläutert. Damals war der Mac (oder der PC) das Zentrum der digitalen Industrie. Der Mac verwaltete das Smartphone. Doch nun sollten alle Geräte von der Cloud verwaltet werden.
Wohlgemerkt: Die Geräte wurden dadurch nicht obsolet. Aber sie bekamen einen neuen Platz zugewiesen.
Das geschieht nun erneut. Neu ist diesmal: Apple selbst bekommt einen Platz zugewiesen. Deswegen ist Tim Cook so perplex.
Es sind gigantische Kräfte, die hier an den Märkten ziehen. Selbst Apples zwei Milliarden Kunden und das meistverkaufte elektronische Gerät der Menschheit reichen nicht aus, um beim Tauziehen gegen die finsteren Mächte der KI-Revolution zu gewinnen. Wobei sich die Frage stellt, warum Apple nicht selbst zu diesen finsteren Mächten gehört.
Viel wurde im Web gefeixt darüber, dass Apple so keck war, einfach die KI von anderen Anbietern einzukaufen. Es hieß, Apple würde immer die Oberhand (und die Profite!) behalten, weil Apple den Zugang zum iPhone und zum Mac bestimmt. Aber nun schnappen sich die KI-Anbieter deren Chips. Wer hat nun die Oberhand?
Es ist nicht nur ein Preiskampf. Sondern es geht auch darum, ob man überhaupt beliefert wird in ausreichender Menge. Dass Macs monatelang ausverkauft sind, ist kein theoretisches Szenario, sondern Realität. Was geschieht, wenn das auch beim iPhone eintritt? Apples gesamtes Kartenhaus basiert darauf, dass es riesige Summen in die Produktionskette stecken kann, weil Apple große Stückzahlen verkauft. Aber wenn diese Stückzahlen ausbleiben?
Es gibt ein geflügeltes Wort im Silicon Valley: Wenn Apple niest, bekommt die ganze Branche eine Erkältung. Alles hängt mit allem zusammen. Wenn’s für Apple ein paar Punkte runtergeht, wird das für ein anderes Unternehmen in der Kette zur Katastrophe.
Tim Cook sagte in seinem Interview nicht nur, dass die Preise steigen werden. Sondern er sagte, dass es keine anderen Optionen mehr gebe. Mit anderen Worten, dass jene Verlockungen, die Apple üblicherweise gegenüber den Zulieferern geltend machen kann, keine Zugkraft mehr haben. Apple könnte gute Stückzahlen versprechen oder mit Kündigung drohen — es zieht nicht. Die Hersteller haben nicht genügend Ware; folglich ist es egal, ob Apple kündigt oder nicht, weil andere Abnehmer bereits Schlange stehen. Es bedeutet auch, dass es sich nicht so schnell ändern wird.
Am Mittwoch in der Live-Sendung werden Basti und ich etwas weiter über dieses Thema beraten.
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