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Roboter übernehmen das Klassenzimmer (nicht)


05.08.2026   Es hilft nichts, irgendwer muss es aussprechen: Manche Leute werden immer dümmer. Es ist wahr.

So erklärt es sich, dass einige Schulbezirke in den USA damit experimentieren, anstelle von Lehrern einfach Roboter zu installieren. Dadurch werden alle wieder wieder klüger. Problem gelöst!



Das Bild oben zeigt einen dieser Roboter. Er steht ungeachtet seiner eindrucksvollen Gelenke und Scharniere regungslos dort, wo man ihn hinstellt. Sein »Gehirn« besteht aus ChatGPT, d.h. er kann Fragen auf gleiche Weise beantworten, wie es ChatGPT kann. Warum man dafür einen Roboter zum Preis von 250.000 Dollar benötigt, ist rätselhaft.



Oben sieht man die gleiche Szene aus einer anderen Perspektive. Die zwei Kinder sollen den Roboter zu einem bestimmten Thema befragen und sich die Antworten notieren. Drei Erwachsene sind anwesend: Die Dame ist die Schulleiterin und verantwortlich für das Projekt.

Das folgende Bild entstammt einer Präsentation, die der Hersteller dieser Schulroboter tatsächlich vor einem Gremium des Schulbezirks gehalten hat. Man sieht einen Latex-Kopf auf einer Art Plastik-Kübel. Dieser Kopf-Kübel soll in Zukunft auf dem Schreibtisch stehen.



Falls sich der geneigte Leser fragt, wo er das schon mal gesehen hat: Der hinterhältige Roboter »Ash« aus dem Film »Alien« gab ohne Torso noch ein paar Auskünfte, eher er endgültig entsorgt wurde.



Und nun bekommen unsere Kinder endlich ihren eigenen Ash, immerhin frisch geföhnt. Eine feine Idee!

Die Technik für die geschmeidige Latex-Haut hat man durch den Kauf einer Firma erlangt, die auf sogenannte Sexdolls spezialisiert ist. Das sind quasi-lebensgroße Plastikfrauen, die in den USA offenbar ziemlich bekannt sind. Das Bild unten entstammt der Homepage des Herstellers:



Die beiden Firmen ergänzen sich optimal: Der Roboter braucht die menschlich wirkende Haut; und für eine Sexdoll wäre es prima, wenn sie die Arme und Beine bewegen könnte. Dann könnte sie nämlich anschließend alles abwischen und die Spülmaschine ausräumen.

Leider wurde das gemeinsame Ergebnis mit 250.000 Dollar etwas zu teuer für eine amerikanische Wichspuppe. Deswegen hat man sich gedacht, naja, wo findet man reiche Leute, die wirklich von überhaupt nichts eine Ahnung haben und uns den teuren Schrott abkaufen?

Als erstes fällt einem das Oval Office ein. Aber Donald Trump läuft bereits mit so einem Ding herum. (Habe ich gehört. Ist aber gelogen.)

Das Dilemma: Die meisten reichen Amerikaner haben bereits eine Frau aus Plastik, oder zumindest teilweise aus Plastik. Gelegentlich fliegt beim herzhaften Niesen eine Nase über den Esstisch, und da könnte eine Sexdoll als Ersatzteillager schon nützlich sein. Aber die Amerikaner tendieren eher zur Neuanschaffung als zur Reparatur. Deswegen heiraten die Hollywood-Stars so oft.

Am Ende hat man die armen Sexdolls abgeschoben in einen New Yorker Schulbezirk.



Das Bild oben zeigt eine angebliche »Vision« des Herstellers. Im Hintergrund sieht man eine echte Lehrerin, während im Vordergrund die freundliche Sexdoll den Kindern eine Geschichte erzählt. Die Szene soll uns wohl vermitteln, dass die echte Lehrerin dann mehr Zeit hätte für ihre eigentlichen Aufgaben.

Abgesehen von der schieren Albernheit dieser Szene (man muss sich vergegenwärtigen, dass die Sexdoll zu dämlich dafür ist, sich die Namen der Kinder zu merken), wird man sich als Computer-Nerd immerhin fragen, wie gut die Technik funktioniert. Das lässt sich beantworten anhand des folgenden Videos mit einer beinahe identisch ausstaffierten Puppe:



Was man im Video sieht, wirkt eher wie einfache Animatronic, die man in Geisterbahnen und Freizeitparks verwendet. Der Mund klappt auf und zu, die Augen klimpern, und der Blick starrt irgendwo ins Nichts.

Der Hersteller wirbt im folgenden Video für die menschliche Anmutung und die Fähigkeit zu natürlicher Kommunikation:



Diese beiden Dolls sollen also unsere Kinder unterrichten. Klar, das glaube ich sofort! Im Lehrerzimmer sieht es dann so aus:



Wer hätte nicht gerne eine solche Lehrerin, gerade in der Grundschule?

Mensch oder Maschine?

Wie kaputt muss jemand sein, der vorschlägt, anstelle von Menschen einfach eine gefühllose Blechbüchse in die Klassenzimmer zu stellen? Es ist grausam gegenüber den Kindern; und es ist unverfroren gegenüber den Lehrern. Nur wer von beiden Seiten keine Ahnung hat, kann überhaupt auf die Idee kommen.

Ich hatte großartige Lehrer, und ein paar fürchterliche. Bei den großartigen Lehrern habe ich viel gelernt, bei den fürchterlichen gar nichts. Die großartigen Lehrer haben es vermocht, irgendeinen Funken bei mir zu zünden, dessen Feuer bis heute brennt. Oft hatte es gar nichts mit dem Thema des Unterrichts zu tun. Sondern es waren kurze Abschweifungen, ein unerwartetes Lob, ein kluges Verhalten in einer ungewöhnlichen Situation, machmal auch Kameradschaft. Immer Menschlichkeit.

Hingegen, die Überstrengen, Überkorrekten und dadurch Unnahbaren waren immer auch schlechte Lehrer, ausnahmslos. Es braucht nämlich den ganzen Menschen. Deswegen ist dieser Beruf auch so kräftezehrend.

Ich will nicht bestreiten, dass Künstliche Intelligenz eine sehr positive Rolle in der Ausbildung spielen kann. Man kann eine KI endlos oft befragen und sie kann eine Million Schülern gleichzeitig bei den Hausarbeiten helfen.

Aber ein guter Lehrer beantwortet nicht nur Fragen. Er schafft ein Klima, in dem es sich ruhig lernen lässt. Er hat die Rabauken im Blick, die ihre Grenzen testen möchten. Er fördert die Schüchternen. Er hat auch Verständnis, wenn die Klasse mal keine Lust hat. Ein guter Lehrer ist Motivator, Raubtier-Dompteur und Vertrauensperson. Ein guter Lehrer ist nicht einfach ein Buch auf Beinen.

Je verrückter, je zerrissener, je streitsüchtiger unsere Welt wird, desto wichtiger sind gute Lehrer, die das alles noch irgendwie zusammenhalten.

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