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Editorial

★ Apple bringt App Intents: So funktioniert die neue Technik


Siri soll künftig mehr Aufgaben direkt in Euren Apps erledigen. Apple öffnet dafür App Intents deutlich weiter. Die Technik übersetzt Wünsche in konkrete App-Aktionen – vom gefüllten Warenkorb bis zum Teilen eines Fundstücks.

Eine bekannte Grundlage bekommt neue Fähigkeiten

App Intents sind keine Erfindung von macOS 27, iOS 27 oder iPadOS 27. Die Grundlage gibt es seit macOS 13 sowie iOS und iPadOS 16. Apps beschreiben damit Funktionen und Inhalte für das Betriebssystem. Davon profitieren etwa Kurzbefehle, Spotlight und interaktive Widgets.

Neu ist die breitere Anbindung an Siri AI. Bisher orientierte sich die Siri-Integration an von Apple vorgegebenen Kategorien und Mustern. Die neue Vorschau öffnet Siri auch für eigene Funktionen und Inhalte außerhalb dieser Vorgaben. So können künftig mehr Apps ihre besonderen Fähigkeiten per Sprache anbieten.

Was Ihr damit erledigen könnt

Apple nennt Beispiele wie den Lieferstatus prüfen, einen Tisch reservieren oder eine Bestellung aufgeben. Auch Wünsche über mehrere Apps hinweg sind vorgesehen. Ihr könntet Eure Lieblingssneaker aus einer Einkaufsapp über einen Messenger an Euren Partner schicken lassen.

Siri müsste dafür den gemerkten Schuh finden, den passenden Kontakt bestimmen und die Produktinformationen weitergeben. Ihr beschreibt das Ziel in eigenen Worten. Die nötigen App-Funktionen werden im Hintergrund miteinander verbunden.

Das setzt voraus, dass die beteiligten Apps passende Funktionen und Daten bereitstellen. Allein durch das Systemupdate erhält eine App noch keine vollständige Sprachsteuerung.

Drei durch eine pinke Linie verbundene Glastafeln zeigen einen favorisierten blauen Schuh, einen Kontakt und eine Nachricht mit dem Produkt.
Ein Wunsch, mehrere Apps: Siri sucht das gemerkte Produkt, bestimmt den Kontakt und übergibt die Information an einen Messenger. KI-generierte Symbolillustration. · KI-generiert mit OpenAI Imagegen

So sprechen Siri und Apps miteinander

Stellt Euch App Intents wie beschriftete Werkzeuge vor. Eine Einkaufsapp bietet beispielsweise das Werkzeug »Zum Warenkorb hinzufügen« an. Sie beschreibt dessen Zweck und die nötigen Angaben: welches Produkt und welche Stückzahl.

Beim Erstellen der App werden diese Beschreibungen für das System aufbereitet. So erfährt es, welche Werkzeuge die App anbietet.

Ein zweiter Baustein sind sogenannte App Entities. Sie beschreiben Dinge, mit denen die App arbeitet, etwa Produkte, Fotos oder Reisen. Ein Produkt kann darüber einen Namen, eine Kennung und weitere Eigenschaften erhalten. So kann das System einen bestimmten Schuh eindeutig ansprechen.

Ein vereinfachter Dialog hinter den Kulissen könnte so aussehen: Ihr sagt »Lege diesen Schuh zweimal in meinen Warenkorb«. Siri wählt das passende Werkzeug und ermittelt den gemeinten Artikel. Das System übergibt der App dann sinngemäß: Aktion »Hinzufügen«, Produkt »Schuh mit Kennung 123«, Menge »2«.

Die App führt ihren eigenen Programmcode aus und meldet Erfolg oder einen Fehler zurück. Siri kann das Ergebnis anschließend anzeigen. Apps dürfen dafür auch eigene Ergebniskarten gestalten. Viele Aktionen können im Hintergrund laufen, andere benötigen die geöffnete App.

Die KI deutet also Euren Wunsch und wählt Werkzeuge aus. Die eigentliche App-Funktion bleibt Aufgabe der App.

Eine Sprechblase führt über ein Modul mit Symbolen für Produkt, Warenkorb und Menge zu einem Smartphone mit einem blauen Schuh.
Aus einem gesprochenen Wunsch werden konkrete Angaben für eine App-Aktion: Produkt, Warenkorb und Stückzahl. KI-generierte Symbolillustration, keine originale Bedienoberfläche. · KI-generiert mit OpenAI Imagegen

Woher Siri weiß, was »dieser Schuh« bedeutet

Die App kann sichtbare Inhalte mit ihren Datenobjekten verknüpfen. Dadurch lässt sich etwa »dieses Foto« einem konkreten Bild zuordnen. Für die Suche nach Inhalten können Apps solche Objekte außerdem im Spotlight-Index bereitstellen.

Im Vordergrund müsst Ihr den App-Namen nicht immer nennen. Auch eine laufende Live-Aktivität oder ein passender Gesprächskontext kann die Zuordnung ermöglichen. Für eigene App-Funktionen im Hintergrund verlangt die Vorschau dagegen die Nennung der App.

Beim Austausch zwischen Apps braucht es zusätzlich ein geeignetes Datenformat. Die Einkaufsapp muss ihre Produktinformation so bereitstellen, dass der Messenger sie übernehmen kann. Das System vermittelt diesen Austausch. Es genügt nicht, dass beide Apps intern denselben Begriff verwenden.

Anleitungen für Aufgaben mit mehreren Schritten

Einzelne Werkzeuge erklären noch nicht jeden Arbeitsablauf. Deshalb führt Apple ergänzend App Skills ein. Das sind mitgelieferte Textanleitungen, die Siri bei komplexen Wünschen helfen.

Eine Einkaufsapp könnte darin erläutern, wie Produktsuche, Warenkorb, Lieferart und Kaufbestätigung zusammengehören. Die Anleitung kann auch Hinweise für Rückfragen enthalten, wenn Angaben fehlen.

Siri prüft zunächst eine kurze Beschreibung des Skills. Erst bei einem passenden Auftrag liest es die ausführliche Anleitung. Diese ergänzt die Beschreibungen der einzelnen Werkzeuge.

Ein Skill ist jedoch kein festes Ablaufprogramm. Apple betont, dass er keine stets identische Ausführung erzwingt. Siri entscheidet anhand der Anfrage, welche Schritte nötig sind. Deshalb müssen Entwickler auch unterschiedliche Formulierungen und unvollständige Wünsche testen.

Welche Grenzen und Schutzmechanismen es gibt

Siri kann über diese Schnittstelle nur Inhalte und Aktionen nutzen, die eine App ausdrücklich freigibt. Entwickler können einzelne Eigenschaften vor Siri verbergen. Für sensible Informationen oder Aktionen lassen sich Vorgaben zur Authentifizierung festlegen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Information automatisch eine zusätzliche Freigabe verlangt. Der Schutz hängt auch von der Umsetzung durch die App ab. App Intents allein sagt zudem nichts darüber aus, ob eine KI-Anfrage vollständig auf dem Gerät verarbeitet wird.

Wann die Erweiterung verfügbar wird

Apple hat die Entwicklervorschau am 3. November 2026 für die Betas von Version 27.3 geöffnet. Sie betrifft unter anderem macOS, iOS und iPadOS. Voraussetzung sind ein Gerät mit Apple Intelligence sowie eine unterstützte Sprache und Region.

Die neuen Integrationen sind zunächst für Entwicklung und interne TestFlight-Tests vorgesehen. Apps aus dem App Store und externe TestFlight-Tests können diese Vorschaufunktionen noch nicht nutzen. Apple nennt eine Einführung für Kunden in einigen Monaten und den Frühling als Start für App-Store-Einreichungen.

Für deutsche Leser gibt es weitere Einschränkungen: Deutsch zählt derzeit nicht zu den unterstützten Siri-AI-Sprachen. In der EU ist Siri AI auf iPhone und iPad aktuell nicht verfügbar. Diese EU-Einschränkung nennt Apple nicht für den Mac.

Fazit

App Intents geben Siri klar beschriebene Zugänge zu App-Funktionen und Daten. Die neue Erweiterung erlaubt mehr eigene Werkzeuge und verbindet sie zu größeren Aufgaben. Besonders hilfreich wird das, wenn ein Wunsch mehrere Apps betrifft. Wie viel davon im Alltag gelingt, hängt von deren Unterstützung und der zuverlässigen Planung durch Siri ab.

Quellen:
Apple: Siri AI is now open to all developers
Apple: Siri AI Developer Preview
Apple: App Intents
Apple: Getting started with the App Intents framework
Apple: Bringing custom actions and content to Siri
Apple: Orchestrating complex actions with app skills